Sommer 2026 und schon wieder Fußball (oder immer noch?) 😊 Die zwei Jahre nach der EM in heimischen Gefilden sind wie im Flug vergangen. Nun ist die WM in den USA, Kanada und Mexiko in vollem Gang. Viel zu früh musste die deutsche Nationalmannschaft am Tag nach dem Ausscheiden gegen Paraguay die Heimreise antreten. Eine echte Niederlage, nicht nur für das deutsche Team, sondern auch für alle Fans der deutschen Nationalmannschaft. Überhaupt ist dieses Wort bei der WM ein Dauerbrenner. Mir stellte sich daraufhin die Frage, wann eine Niederlage als solche gesehen werden kann. Natürlich ist das sehr individuell und kann nicht generell beantwortet werden.
Wenn ich an meine Zeit als Leistungssportlerin zurückdenke, fallen mir sowohl Siege als auch Niederlagen ein. Den Sieg in meiner Startklasse über 50 Meter Brust bei den internationalen Deutschen Schwimmmeisterschaften in Berlin und den dritten Platz über 50 Meter Freistil bei der Schwimm-EM im englischen Sheffield werde ich nie vergessen. Die Feier zur „Sportlerin des Jahres“, als mir vom Vorsitzenden des Sportvereins, für den ich startete, ein Pokal überreicht wurde, war einzigartig.
Eine deutliche Niederlage erlebte ich bei einem internationalen Schwimmwettkampf in Braunschweig. Auch hier ging es über 50 m Brust auf die kurze Distanz. War ich im Jahr zuvor in der gleichen Disziplin deutsche Meisterin geworden, so belegte ich quasi um Fingernagellänge hinter meiner Konkurrentin den ehrenvollen vierten Platz. Da der Anschlag denkbar knapp ausfiel, wurde die Zeit noch einmal nachgemessen. Am Ende half alles nichts: die Blechmedaille war mir sicher. Es wurmte mich, dass ich es nicht geschafft hatte, aufs Podest zu kommen. Weitaus schlimmer fand ich allerdings, dass ich das Gefühl hatte, versagt zu haben. „Alle hatten von mir mehr erwartet“, dachte ich frustriert. „Die Erwartungen habe ich nicht erfüllt.“ War dem wirklich so oder lagen die Erwartungen hauptsächlich bei mir selbst? Mit Wut im Bauch schwamm ich im anschließenden Wettkampf über 50 m Freistil zu Silber. Damit war ich sehr zufrieden, aber der Ärger über den vierten Platz blieb, wenngleich etwas gedämpfter.
Neben dem Frust gab es aber auch etwas Lustiges an besagtem Wettkampf-Wochenende, über das ich noch heute herzlich lachen muss. Der Moderator des Events schien der englischen Sprache nicht ganz mächtig zu sein, um es vorsichtig auszudrücken. Bei einem internationalen Ereignis wie diesem oblag es ihm aber, dessen Moderation durchzuführen. So kündigte er vor jeder Siegerehrung an, dass in Kürze eine „medal celebration at the table from the speaker“ stattfinden würde. Nach meinem vierten Platz-Desaster ging die „Medaillen-Feier“ knapp an mir vorbei. Der Coach des australischen Teams fragte, wo denn der Zeremonienmeister bliebe. In den Jahren danach war der Begriff „medal celebration“ unter den Schwimmern bei jeder Siegerehrung Standard.
Genau wie Siege bzw. Erfolge gehören Niederlagen oder Misserfolge zum Leben. Nur Erfolg wäre unnormal und außerdem langweilig. An Niederlagen kann man wachsen, heißt es so schön. Aus ihnen lässt sich für die Zukunft lernen, wobei man sie ebenso manchmal einfach abhaken oder darüber schmunzeln sollte.
Als ich vor fast 25 Jahren anfing, bei Papenmeier zu arbeiten, war ich, wie jeder Berufseinsteiger, oft unsicher, ob ich die mir vorliegende Aufgabe zur Zufriedenheit erfüllen würde. Meine erste Übersetzung bekam ich in Form einer Informationsbroschüre, die ich vom Deutschen ins Englische übersetzen sollte. Von der Vergrößerungssoftware, die im Prospekt beschrieben wurde, hatte ich noch nie gehört. Hilflos las ich den Text wieder und wieder. Wen konnte ich fragen? Ich verfügte kaum über technisches Vokabular, geschweige denn über ein entsprechendes Fachlexikon. Als ich den ehemaligen Kollegen, von dem ich die Übersetzung erhalten hatte, darauf ansprach, bemerkte er trocken: „Ich denk du kannst Englisch“. Großes Kino – und das gleich am Anfang meiner „Papenmeier-Karriere“! Was, wenn ich dieser Aufgabe nicht gewachsen war? Konnte ich meine neuen Kollegen schon am Anfang um Hilfe bitten? Ich konnte nicht – ich musste es. Tatsächlich fanden sich mehrere, die mir gerne mit dem nötigen Fachwissen weiterhalfen. Ein technisches, elektronisches Wörterbuch, das damals unter Windows NT auf meinen PC installiert wurde, kam bald hinzu. Definitiv ist es, ein Vierteljahrhundert später, wesentlich komfortabler, Online-Lexika zu konsultieren und sich über entsprechende Übersetzungs-Tools Hilfe zu holen. Wie man sieht, arbeite ich weiterhin in der gleichen Firma, insofern waren meine damaligen Bedenken unnötig.
Jetzt mag der ein oder andere sagen: „Da gibt es ganz andere Niederlagen, zum Beispiel wenn jemand durch Hochwasser sein Haus verliert, wenn eine Kündigung im Job droht, die später erfolgt, oder wenn man aufgrund eines schweren Fehlers üble Konsequenzen zu fürchten hat.“ Richtig. Das sind schlimme Niederlagen. Pauschal kann man jedoch nicht sagen: „Das ist keine Niederlage, die du beschreibst. Es gibt wahrlich Schlimmeres.“ In meinen Augen ist das eine sehr individuelle Angelegenheit. Jeder Mensch hat, durch seine Einzigartigkeit, andere Empfindungen und eine andere Toleranzschwelle. Es gibt Niederlagen, die bleiben einem zeitlebens negativ im Gedächtnis, und das „Grummeln“ im Bauch tritt heute noch auf, obwohl das Ereignis schon Jahre zurückliegt. Über andere muss man im Nachhinein lachen oder zumindest schmunzeln.
Jeder/jedem von uns wünsche ich, über Erfolge zu jubeln und, wenn möglich, über so manche Pleite zu grinsen, wenn auch oft zu einem viel späteren Zeitpunkt. Vielleicht entsteht aus der ein- oder anderen Niederlage eine neue Chance, die dann wiederum zum Erfolg führt. Vielleicht hat unsere Nationalmannschaft mit einem neuen Coach mehr Erfolg und schafft es bei der nächsten WM mindestens ins Achtelfinale. 😊