Am 13. Februar ist der „International UNESCO World Radio Day“, der internationale Welttag des Radios. Wie ich finde, ist dies ein wichtiger Tag, denn das Radio hat, trotz aller sozialen Medien, nichts von seiner Aktualität eingebüßt.
Schon als Kind war ich dem Radio sehr zugetan. Es machte mir Freude, am Senderrad zu drehen und nach neuen Frequenzen zu suchen. Irgendwann entdeckte ich neben UKW die Kurzwelle, welche heute stark an Bedeutung verloren hat. Immer wieder drangen fremde Sprachen, interessante Signale und häufig undeutliche Stimmen kombiniert mit viel Rauschen an mein Ohr. Bis spät in die Nacht probierte ich alles aus, was ich am und im Radio entdeckte.
Zur seligen Teenager-Zeit interessierten mich vor allem Musik-Sendungen. „Mal Sondocks Hitparade“ und „Schlager-Rallye“ im WDR gehörten genauso zu meinen Favoriten wie „Hit Line“ und „die Elmi Radio Show“ in SWF3, dem damaligen Namen des Senders, heute SWR3. Besonders wichtig war bei diesen Sendungen, dass ein paar gute Aufnahmen auf Kassette erstellt wurden. Sobald der Moderator eine Platzierung in der Hitparade nannte, platzierte sich meinen Zeigefinger quasi automatisch auf der Aufnahmetaste am Radiorecorder, später an der Stereoanlage. Es war möglichst erstrebenswert, den kompletten Song auf die Kassette zu bekommen. Ärgerlich nur, wenn der Moderator ins Ende des Songs hineinquatschte und ich ihn bzw. die Aufnahme „abwürgen“ musste. Ebenso störend empfand ich es, wenn während besagter Sendungen jemand ins Zimmer kam und etwas angeblich furchtbar Wichtiges von mir wollte. Natürlich hatte ich meine Lieblingsmoderatoren, die besonders witzig und originell moderierten. Häufig heiterte mich Elmar Hörig mit seinen witzigen, zuweilen flachen Bemerkungen auf, wenn ich schlechte Laune hatte. Mal Sondocks amerikanischer Akzent und seine direkte, lockere Art zu moderieren gefielen mir. Gerne nahm ich fiktive Sendungen auf, in welchen meine Freunde bzw. Familie Gäste waren. Manchmal spielte ich die Gastrollen ebenfalls, indem ich meine Lehrer, Menschen in der Umgebung oder Popstars wie Nena, Dieter Bohlen, Peter Maffay und Herbert Grönemeyer imitierte. Musiktitel sowie deren Anmoderation durften nicht fehlen. Auch heutzutage macht es mir Spaß zu moderieren, beispielsweise unsere Bandkonzerte. Zudem gefällt es mir, mit einem Mikrofon Außenaufnahmen zu machen und diese zu kommentieren. Wenn ich jemandem eine solche Aufnahme vorspiele, wie die einer Pferdeschlittenfahrt im letzten Winterurlaub, höre ich meistens: „Wow. Das ist wahres Kopfkino. Man kann sich alles richtig vorstellen, ohne die Umgebung visuell wahrzunehmen oder sie auf Fotos zu sehen.“
In der Oberstufe hatte ich das Glück, ein Praktikum beim lokalen Radiosender Antenne AC (Radio Aachen) zu absolvieren. Ich wurde offen und herzlich aufgenommen. Die Zeit verging wie im Flug. Das Highlight des Praktikums war, dass der Moderator der Sendung „Gruß und Kuss“ meine Mutter zum Geburtstag anrief und ich ihr, live auf Sendung, gratulieren konnte.
Während meines Studiums bekam ich eine Praktikumsstelle in der Nachrichtenredaktion des WDR in Köln. Ich musste Beiträge im sogenannten Nachrichtenverteilsystem (NVS) zu einem bestimmten Thema heraussuchen und sie zu einer kurzen Radiomeldung zusammenfassen. Mit Stolz hörte ich meine durchweg gesendeten Meldungen in den Nachrichten. Einmal fehlte der Nachrichtensprecher ganz kurz vor der vollen Stunde. Ein Ersatzsprecher wurde nach oben bestellt, da die Redaktion im 5. Stock des Funkhauses lag. Kaum war dieser aufgetaucht, kam der tatsächliche Sprecher angehetzt. Die Nachrichten begannen mit „Bonn. Kohl, nee, Bonn“, was für allgemeine Heiterkeit sorgte. In der Wetterredaktion suchte die Redakteurin verzweifelt das Wetter für die nächsten beiden Tage. „Das gibt es nicht“, rief sie verzweifelt aus. „Ich habe hier nur das Wetter von gestern und vorgestern. Das von morgen und übermorgen ist verschwunden.“ Offensichtlich fand es sich doch noch, denn es wurde nach den Nachrichten vorausgesagt. Ob die Prognose stimmte, weiß ich nicht mehr. Sogar beim WDR gab / gibt es hin und wieder Pannen. Ein Kollege kommentierte es mit treffender kölscher Mentalität: „Wenn allet schief jeht, ewer de Dom, der steht noch.“
Lange hieß mein Berufswunsch Radiomoderatorin, Musikjournalistin, Redakteurin. Wie es im Leben manchmal so spielt, kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.
Seit fast 24 Jahren arbeite ich in der Papenmeier Reha-Technik als Medizinprodukteberaterin. Mein Job macht mir Spaß. Es motiviert mich, wenn ich Kunden beraten und ihnen durch meine Hilfe als selbst betroffene Person ein Stück Lebensqualität geben kann. Das Radio bleibt nach wie vor mein täglicher Begleiter, sei es morgens beim Frühstück oder abends nach der Arbeit, während langer Autofahrten, unterwegs auf dem Smartphone per App, beim Sport auf dem Crosstrainer oder bei einem entspannenden Bad. Obwohl ich sozialen Medien und allem, was in der Richtung aktuell ist, offen begegne, möchte ich das gute alte Radio, heute in moderner Ausführung und in verschiedenen Varianten, nicht missen. Der bekannte Queen-Hit aus dem Jahr 1984 „Radio GaGa“ findet dafür die passenden Worte: „Radio, what’s new? Radio, someone still loves you.“