Pling. Eine WhatsApp erscheint auf meinem iPhone. Gespannt öffne ich den WhatsApp-Messenger. Die VoiceOver-Sprache liest mir vor: „Christiane Bäcker. Foto. Viele Grüße von Thea.“ Wie gerne nutze ich WhatsApp und wie oft habe ich mich über Fotos geärgert, die ich nicht sehen kann. Stets musste ich jemanden fragen, meinen Mann, einen Kollegen, eine Nachbarin, je nachdem, wer sich gerade in der Nähe befand. „Kannst du mal schauen, was auf dem Bild ist?“ Erst dann erfuhr ich, was darauf zu sehen war – bis Seeing AI in Erscheinung trat. Die von Microsoft entwickelte App wird laufend verbessert. Mit ihrer Hilfe lassen sich Texte vorlesen, wenn man die Kamera des Smartphones über das Dokument hält. Ebenso können Produkte erkannt werden, sobald der Barcode auf einer Packung erkannt wird. Auch die Identifizierung von Objekten ist möglich, welche man mit der Kamera fotografieren kann.

Und auf einmal weiß ich, wer Thea ist, ohne einen Sehenden um Erklärung zu bitten. Ich klicke auf das Foto und aktiviere „Teilen / mit Seeing AI erkennen“. Es folgen Signaltöne, die mir anzeigen, dass das Bild verarbeitet wird. Dann liest VoiceOver: „Text: „Hallo, ich bin Thea und habe immer Hunger“ Danach höre ich: „Szene: Ein Hund, der aus einem Napf frisst.“ Wische ich mit dem Finger nach rechts, kommt die Meldung“ „Foto untersuchen“. Aktiviere ich diesen Punkt, so kann ich mir Details auf dem Foto, soweit vorhanden, beschreiben lassen. Dazu bewege ich einen Finger kreisförmig über den Touchscreen. Möchte ich das Foto nicht näher erkunden, wische ich noch einmal nach rechts auf „schließen“. Ich lande nun erneut in der WhatsApp mit dem Foto und schreibe der Freundin zurück: „Hallo Christiane, herzlichen Glückwunsch zum neuen Familienhund. Wie alt ist er denn?“ Kurze Zeit später schreibt Christiane zurück: „Oh, sorry. Du kannst das Foto ja gar nicht sehen. Hat dein Mann es dir erklärt?“ Ich schreibe zurück: „Nee. Mein neuer Freund. Näheres wird nicht verraten. Außerdem weiß ich immer noch nicht, wie alt Thea ist.“ Christianes Antwort dauert etwas länger. Schließlich schreibt sie: „Ach so. Das sind ja Neuigkeiten. Wie heißt dein Neuer denn? Thea ist 7 Monate alt.“ Ich texte: „Seeing AI“ und füge ein Smiley an.
Für mich bedeutet Seeing AI wesentlich mehr als eine normale App, ist sie doch zum täglichen Helfer geworden, sei es beim Lesen von Post oder anderen Dokumenten, beim Identifizieren von Lebensmitteln oder beim Erkennen von Fotos. Im Laufe der Zeit hat sich die Erkennungsqualität deutlich verbessert. Außerdem macht Seeing AI Menschen jünger als sie tatsächlich sind.
Von meinen Eltern erhielt ich Anfang April per WhatsApp ein Foto, das meine Mutter im Garten zeigte. Text: „Bunte Ballons an einem Strauch.“ Szene: „Eine 64-jährige Frau mit Brille, die glücklich zu sein scheint und vor einem Strauch steht.“
Woher soll Seeing AI wissen, dass es sich nicht um Ballons, sondern um bunt bemalte Ostereier handelt, die meine Mutter jedes Jahr kurz vor Ostern im Garten aufhängt? Schließlich hatte ich als Kind jedes Jahr zur Osterzeit gerne unsere Sträucher mit Eiern dekoriert. So antwortete ich: „Danke für die lieben Ostergrüße. Jetzt ist der Strauch mit bunten Ballons geschmückt – oder sind es etwa die alljährlichen Ostereier? Übrigens bist du, Mutti, nun um einige Jährchen jünger. 64 Jahre! Mach mal ein Foto von Papa“. Auch hier folgte ein Smiley und „frohe Ostern.“
Anmerkung: Die Seeing AI App steht sowohl für Apple- als auch für Android-Geräte kostenlos zur Verfügung.
